Home
Golda
A-Wurf
Fotoalbum
News
DeutscherSchäferhund
Kölner Stadtanzeiger
Wie konntest Du nur!
Gästebuch
Kontakt
Links
Impressum

 

 

 

 

 

Der echte Kommissar Rex

 


Wenn man den nackten Zahlen glaubt, dann ist der deutsche Schäferhund - Golden Retriever hin, Labrador her - nach wie vor die beliebteste Hunderasse weltweit.


Natürlich ist der deutsche Schäferhund vor allem auch in Deutschland der Bevölkerung nur allzu gut vertraut. Nicht nur vom täglichen Spazierengehen im Wald, sondern auch aus dem TV: Die Abenteuer von Kommissar Rex und Co. haben sich tief in unser Gedächtnis eingegraben.
Damit der Nachwuchs nicht ausstirbt, halten die deutschen Züchter die Fahne hoch. Schäferhundzucht ist vor allem auch eine Gebrauchshundezucht, und der deutsche Schäferhund gilt weltweit als der perfekte Allrounder.

Der eigene Anspruch ist also durchaus hoch gesteckt: Es geht darum, den tollsten und schönsten Hund der Welt zu züchten.


Das große, jährliche Forum der Züchter ist die Bundessieger-Zuchtschau. Dort laufen die Schönsten der Schönen, die Besten der Besten. Die Schäferhund-Elite also. Klar, denn dort wird der schönste Schäferhund Deutschlands gekürt. Es ist eine Heidi-Klum-Veranstaltung für Vierbeiner, eine Zuchtschau allererster Güteklasse.
Dort gibt es Schäferhunde zu sehen, bei denen der Otto Normalhundehalter in punkto Schönheitsideal nicht mehr mitreden kann. Unser aller Kommissar Rex ist zwar noch da, aber er hat sich stark verändert. Zum Beispiel hat er einen ganz seltsamen Rücken, der kaum mehr an das klassische Bild eines Schäferhundes erinnert. Eher an einen dicken Karpfen aus einem fränkischen Fischweiher. Sein Rücken ist einfach nur krumm, um den negativ gefärbten Ausdruck "verkrüppelt" zu vermeiden.

 

Seine Hinterbeine sind so stark angewinkelt, dass sie an einen Frosch erinnern.
Es ist durchaus verwunderlich, warum ausgerechnet Tiere aus der Wasserwelt als Vorbild für den aktuellen Stand der Zucht unseres deutschen Schäferhundes herhalten müssen. Sein Adonis-gleicher, ausladender Brustkorb steht jedenfalls in keinem Verhältnis mehr zu seiner schmalen Hinterhand. Der Gang des Top-Models ist manchmal wackelig, manchmal eher x-beinig. Kommissar Rex blickt mit verklärten Augen träumerisch in die Ferne.


Neben der Heidi-Klum-Show, also der Bundessieger-Zuchtschau, gibt es da noch die Leistungsprüfungen. Dort wird der Charakter des deutschen Schäferhundes abgefragt. Kein Problem, möchte man denken. Wir alle wissen ja aus dem Fernsehen, wie tapfer und mutig unser Kommissar Rex gewöhnlich agiert. Die Züchter verstehen ihr Handwerk und sie werden in den vergangenen Jahren wohl in der Lage gewesen sein, ihr Zuchtziel umzusetzen: Den tollsten und schönsten Hund der Welt zu erschaffen,

den perfekten Allrounder eben.


Aber es wartet eine böse Überraschung. So tapfer und mutig wie bei Kommissar Rex wirkt das bei einigen Vierbeinern gar nicht. Im Gegenteil. Kaum bewegt sich ein Helfer zu rasch aus dem Gebüsch, ziehen die Models ihren Schwanz ein und geben Fersengeld.


Parallele Schäferhund-Welten


Dann aber tauchen völlig unerwartet Schäferhunde auf, die sich scheinbar in diese schöne Lifestyle-Welt der blonden Hunde mit dem schwarzen Sattel und dem Karpfenbuckel verlaufen haben.

 

Diese anderen Schäferhunde sind dunkel, grau, schwarz oder schwarz mit braunen Beinen. Ihr Rücken ist gerade und sie laufen wie Schäferhunde. In den Leistungsprüfungen brennen sie, kaum in Aktion,

ein wahres Feuerwerk ab.


Wer sind diese Hunde? Woher kommen sie? Die wenigsten Menschen haben diese Tiere auf ihrem Spaziergang über Wald und Feld jemals gesehen. Kommissar Rex kennt man, ob mit oder ohne Buckel. Weiße Schäferhunde kennt man auch, aber Rabenschwarze oder Graue?


Es handelt sich um eine zweite Population. Sozusagen eine Parallelwelt in der Schäferhundzucht. Es sind

die Leistungshunde, die nach den Maßstäben der Zuchtschauen als hässlich gelten. Eine vierbeinige Unterschicht, in Indien würde man analog von einer niedrigen Kaste sprechen.
Die Leistungszucht führt also ein Schattendasein neben der prominenten Schaulinie. Schon alleine die Bezeichnung sorgt für jede Menge Verwirrung, denn die Leistungszucht ist ebenfalls eine Hochzucht.

 

Die Hunde laufen dieselben Prüfungen und haben dieselben Papiere. Nur sind die Ziele in dieser

Zucht völlig anders.


Die Entstehung und Fehlentwicklung des deutschen Schäferhundes


Um zu verstehen, wie sich dieses merkwürdige Paralleluniversum bei dem weltweit so beliebten Gebrauchshund ergeben hat, hilft ein Blick in die Vergangenheit. Vor etwa einhundert Jahren

begründete Max von Stephanitz die Rasse deutscher Schäferhund. Das Hauptaugenmerk lag auf

einem guten Charakter, einem leistungsfähigen Körperbau, Stehohren, sowie einer guten,

starken Pigmentierung.
Die Farbe an sich ist dabei aber völlig unerheblich. Der Hund sollte nur nicht zu groß sein,

damit er agil, schnell und wendig bleibt.

Zudem sollte sein Körperbau die trabende Fortbewegung maximal unterstützen.

 

An diesen Zuchtvorgaben hat sich bis heute nicht viel geändert. Nur sieht die gelebte Realität

ganz anders aus.
Denn irgendwann in den 1970er Jahren schlug eine These in der Züchterwelt ein wie eine Bombe.

Es hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine stärker gewinkelte Hinterhand dem Trab mehr Schub und Ausdruck verleihen würde.
Mit viel Leidenschaft und gutem Willen wurden nun Schäferhunde gezüchtet, deren Hinterbeine sich immer stärker abwinkelten, um dem Ziel der perfekten Bewegung näher zu kommen.
Zudem kam die klassische Farbe in Mode. Der blonde, eher helle Hund mit einem schwarzen Sattel. Diese neue Form des Schäferhundes erzielte schon bald Höchstpreise beim Welpenverkauf.

 

Ausgebildete Rüden wurden mit 100.000 D-Mark und mehr gehandelt, alleine der Sprung

eines Rüden wurde mit 2.000 D-Mark honoriert.
Ganz klar: Der Mensch wäre nicht der kapitalistisch veranlagte Mensch, wenn er nicht aus allem

ein Geschäft machen würde. Und genau so geschah es auch in der Zucht.

Das Geld floss in Strömen, die Hunde wurden immer winkeliger, immer krummer und immer wackeliger.

Das Aussehen trat in den Vordergrund, der Charakter wurde unwichtig. Hüftgelenksdysplasie (HD), Ellenbogen-Dysplasie (ED), Spondylose, Augen- und Hauterkrankungen waren auf
breiter Front die zwangsläufige Folge.

 

Die Leistungszüchter spalten sich ab


Doch es gab eine Gruppe von Züchtern, die vieles anders sahen. Sie beobachteten, wie ihr geliebter deutscher Schäferhund zwar immer schöner wurde, aber für den Gebrauchshundeeinsatz

gleichzeitig immer untauglicher. Auch in anderen Bereichen, in denen Gesundheit, Köpfchen und Fitness gefragt waren, bekam diese Rasse bald keinen Fuß mehr auf den Boden. Diese Züchter besannen

sich also, den neuen Weg nicht mit zu gehen.
Im Lager der Leistungszüchter gilt eine eiserne Maxime: Gesundheit und Charakter haben oberste Priorität.

 

Natürlich nahmen sich auch diese Züchter neuer Trends und Erkenntnisse der Hundezucht an und versuchten ihre Hunde im Laufe der Jahre immer besser zu machen. Jedoch immer mit Blick auf die Leistungsfähigkeit und das Wesen ihrer Vierbeiner.

 


Schauzucht und Leistungszucht - der Alltag

 


Heute ist die Welt überschwemmt mit dem mittlerweile berühmt-berüchtigten "Bergab-Hund".

Viele Tierärzte reiben sich natürlich die Hände, denn neben der bei vielen großen Rassen

vorkommenden HD reihen sich weitere Krankheiten ein, die durch die unnatürliche Anatomie der Schauzuchten entstehen.

Viele dieser Hunde können bis zu ihrem ersten Lebensjahr kaum laufen, Junghunde fallen quasi

beim Gehen um, weil sie ihre langen Hinterbeine nicht kontrollieren können.
Selbst wenn sich dieser Zustand beim erwachsenen Hund verwächst, der psychische Schaden

einer solchen Jugend ist nicht zu verleugnen.

 

Durch die jahrzehntelange Vernachlässigung bei der Selektion auf das Wesen der

Schauzucht-Hunde kann jeder kaufinteressierte Nicht-Profi nur hoffen und bangen, einen

Glücksgriff zu machen.
 

Aber es gab da ja noch die anderen, die Schwarzen und Grauen. Nur: Wo sind die denn abgeblieben?

Hier ein kleiner Tipp:

 

Wer einmal in einem Schäferhundeverein nach sportlich erfolgreichen Hundeführern fragt und das

Gespräch mit ihnen sucht, der wird seinen Augen nicht trauen.
Wer dort am Zaun steht und die Leistungszuchthunde beobachtet, der sieht dieses Feuerwerk.

Denn plötzlich sind sie da.


Sie strotzen vor Kraft und Sprungvermögen. Die Leidenschaft springt ihnen förmlich aus den Augen. Sie geben dem Hundeführer das Gefühl, dass sie mit ihm durchs Feuer gehen würden.

Und sie würden es tun, wenn es darauf ankäme.


Dieser deutsche Schäferhund ist auf guten Charakter und Leistungsfähigkeit gezüchtet. Es ist ein Gebrauchshund, ein echter Allrounder. Ein Schäferhund, der als Familienhund mindestens genauso gut taugt, wie als Diensthund, Rettungshund oder Spürhund.

 

Wie bitte? Als Familienhund? Ja, er ist sogar der perfekte Familienhund! Es ist ein pures Gerücht, dass solche Hunde nur im Sport oder in der Arbeit stehen müssen. Sie bedürfen - wie jeder Hund - nur einer liebevollen Erziehung und geben dieses dann tausendfach zurück.


Der Rufmord an Kommissar Rex


Nun bleibt die Frage, warum man diese Schäferhunde im Vergleich zur Schauzucht so wenig sieht.

Vielleicht wegen Rufmordes? Den Leistungszüchtern wurden von ihren "Kollegen" über viele Jahre hinweg eingeimpft, dass ihre Hunde hässlich seien, weil sie so gar nicht dem gängigen Schönheitsstandard entsprächen. Die Bezeichnung "Gartenstühle" ist für Leistungshunde durchaus üblich.
Es grenzt fast schon an Perversion. Viele Schauzüchter haben so viel Angst vor der angeblichen Hässlichkeit der deutschen Leistungszucht, dass sie bereits überlegten, lieber belgische Schäferhunde in die Zucht einzubeziehen, um das Wesen ihrer Hunde zu verbessern. Mit anderen Worten: Der eigentliche Ursprung

der eigenen Rasse deutscher Schäferhund wird verleugnet und als abgrundtief hässlich abgestempelt.
Erinnern Sie sich noch an die DDR? An die dortigen Mauerhunde? Auch das waren deutsche Schäferhunde.

 

Erinnern Sie sich noch, wie diese Hunde aussahen? Sie waren schwarz, schwarz-braun oder grau. Sie waren kerngesund, sie hatten einen geraden Rücken und normal gewinkelte Hinterbeine. Auch an diesen Mauerhunden sind die Fließheck-Jahre der deutschen Designerzüchter schadlos vorbei gegangen.
Daher ähneln sich die Leistungszucht und die ehemaligen DDR-Hunde äußerlich so stark, dass sie oft als eine gemeinsame Population angesehen werden. Mit einem ganz entscheidenden Unterschied: Die Mauerhunde wurden auf Schärfe gezüchtet, in der Leistungszucht stand aber seit jeher das Wesen der Hunde im Vordergrund. Das ist bis heute so.


All diese Hunde wurden zudem nie mit unverschämten Preisen gehandelt, sondern die Züchter der Leistungshunde unternahmen es aus der Liebe zur Rasse.
Aber diese Deutschen Schäferhunde erhielten in den vergangenen Jahren nirgendwo ein Forum und daher kennt sie niemand. Dabei sind es perfekte, gesunde Familienhunde, die ihren Besitzern jeden Wunsch

von den Augen ablesen.


Sie sind vielleicht doch Kommissar Rex. Sie sind der echte deutsche Schäferhund.

So wie es einst von Stephanitz beschrieb.

 

 

Vielen Dank an Saskia Kobald von Pfotenspezialisten  dass ich ihren Beitrag hier einstellen durfte.
 

Deutsche Schäferhunde vom Bargstedter Moor